Mitten in Liechtenstein stossen die West- und Ostalpen aufeinander. Die Grenze läuft von der Luziensteig über Vaduz in nordöstliche Richtung. Der grösste Teil des Alpengebietes gehört der ostalpinen Fazies an, während der Fläscher- und Schellenberg als Ausläufer der helvetischen Decke aus dem Rheintal ragen. Der nördlichste Teil des Fläscherbergs mit seinem markanten Ausläufer des Ellhorns reicht auf Liechtensteiner Gebiet herüber. Seine Westhänge, wie auch jene des Schellenbergs sowie der Schlosswald zwischen Vaduz und Meierhof, sind mit Löss bedeckt. Die aus Quintnerkalk aufgebauten Felsen des Ellhorns aus der Malmzeit bilden ein natürliches Ufer des Rheins. Nördlich davon erhebt sich der Schlosshügel von Gutenberg nochmals als Teil der helvetischen Decke aus dem Rheintal. Sehr fossilreich ist die helvetische Decke am Schellenberg. So konnten Belemniten im dortigen Schrattenkalk, Fischzähne in der Luitere-Fossilschicht, Ammoniten, Muscheln und Schnecken in der Lochwaldschicht aus der Kreidezeit gefunden werden.
Der Übergang der helvetischen Decke zur ostalpinen ist der hochhelvetisch-penninischen Flyschzone vorbehalten. Man kann sie in drei technische Einheiten aufgliedern, nämlich den Vorarlberger Flysch vom Maurerberg bis östlich von Schaan, den Vaduzer Flysch vom Wildschloss bis gegen Triesen und den Triesner Flysch südlich von Triesen. In dem bis zu tausend Meter mächtigen Vorarlberger Flysch aus der Kreidezeit findet sich die fossilreiche Plankner-Serie. Es handelt sich vor allem um Fukoiden und Helminthoiden, um Algen und Wurmbauten. Die Plankner-Serie ist reich an Makro - und Mikrofossilien. In die ostalpine Decke leitet mancherorts eine Quetschzone über. Die untere Quetschzone weist bunte, lichtgrüne Quarzsandsteine und blassrötliche Mergel auf; die obere Breccien, Aptychenkalke und Verrucano-Buntsandsteine. Diese entsprechen der Aroser Schuppenzone. Es finden sich darin auch mesozoische Schiefersteine, Weissfluh-Breccien und -sandsteine, wie sie am Westfuss der Weissfluh bei Davos vorkommen. Zu den Ostalpen gehört die Lechtaldecke aus dem Trias. Das tiefste Glied bildet zum Teil ein Buntsandstein, zum Teil ein Muschelkalk, an welche die Partnachschichten mit ihrem Schiefer und Kalk anschliessen. Die steilen Wände im Süden des Malbuntals und des Hahnenspiels im Saminatal werden von Kalken und Dolomiten der Arlbergschichten aufgebaut. Ein reizvolles Landschaftsbild vermitteln die in der Lechtaldecke abwechslungsreichen Raiblerschichten. In ihnen kommen Kalke, Schiefer, Gips, Dolomite, Rauhwacken und Sandsteine vor.
Zwischen Malbun und Sassfürkle finden sich verstreut eine Menge von Trichtern, welche durch Gipseinbrüche entstanden sind. Es können darin Gipskristalle beziehungsweise Marienglas gefunden werden. Der Gips ist nördlich vom Erble Ursache für eine Mineralquelle, deren Wasser die Milch scheidet. Die Schiefer- und Sandsteine enthalten zahlreiche Fossilien wie Farne, Schachtelhalme, Wurmbauten und -spuren. Die mächtigen Berge wie Ochsenkopf, Zigerberg, Gallinakopf, Drei Schwestern, Kuhgrat und Alpspitz werden durch den Hauptdolomit aufgebaut. Im Gebiet Drei Schwestern können Hämatitkristalle in handgrossen Platten gefunden werden. Aus der Zeit des Jura bis ins Eocaen stammen die Schichten der Falknisdecke. Die Falknis-Breccien-Serie ist Zeugnis einer Lebensgemeinschaft an urzeitlicher Meeresküste. In den Trümmern des Riffkalks finden sich versteinerte Bruchstücke von Korallen, Algen, Belemniten, Muscheln, Wurmbauten, Seeigeln, Schnecken, Schwämmen und Seelilien.
Ausserordentlich reichhaltig ist die Mikrofauna der Couches-rouges, insbesondere an Globotruncanen im grauen und roten Mergel und Kalk. Zwischen Triesenberg und Gapfahl-Obersäss zieht sich die dünne, aber lange Sulzfluhdecke hin. Ausser den gemeinhin bekannten Couches-rouges, Schiefer und Flysch enthält sie hauptsächlich hellgraue Kalke, aber auch Granite. Granite, zum Teil als erratische Blöcke, können unter anderem mit Gneisen und granatführenden Stahlsteinschiefern in der Moräne des Rheingletschers gefunden werden. Auch in der Moräne des Illgletschers im Norden des Landes finden sich mitunter granatführende Paragneise. Geologische Fragen wirft das Rheintal selbst auf. Denn in Anbetracht der geologischen Basis sollte der Rhein durch das Seeztal gegen den Walensee und Zürichsee fliessen. Es ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt worden, ob das Rheintal eine geotechnische Depression oder ein Erosionserzeugnis darstellt. Vielleicht wurde es auch durch Bruchspalten gebildet.
Diese Übersicht zeigt, wie geologisch und paläontologisch reichhaltig das Gebiet von Liechtenstein ist, was vor allem durch die Überschiebung der Ost- und Westalpen wie auch durch die vorzeitlichen Küstenstriche entstanden ist. Geologisch interessierte Wanderer, Fossil- und Mineraliensammler finden somit in diesem kleinen Raum ein mannigfaltiges Betätigungsfeld.
|
 Das Aufeinandertreffen der Ost- und Westalpen trägt zur geologischen Vielfalt Liechtensteins bei
 Liechtenstein ist mannigfaltiges Betätigungsfeld für interessierte Wanderer, Fossil- und Mineraliensammler
|