Die blühenden Magerwiesen Liechtensteins bieten dem Betrachter im Juni und Juli einen vielfältigen Anblick. Sie sind im Unterschied zu Fettwiesen zwar wenig produktiv, humusarm, zumeist kalkhaltig und trocknen in niederschlagsarmen Gebieten zur Sommerzeit oftmals aus. Dafür aber gedeihen auf den Magerwiesen bis zu hundert verschiedene Pflanzenarten auf engstem Raum - darunter seltene oder geschützte Arten und zusätzlich 24 verschiedene Orchideenarten. Auf Fettwiesen hingegen wachsen nur 20 bis 30 verschiedene Pflanzenarten. Magerwiesen sind durch den Menschen geschaffene Weideflächen. Durch Waldrodungen entstanden einst Waldlichtungen, in die lichthungrige Arten einwanderten. Mit der Erfindung der Sense im Mittelalter wurden weite Teile der Landschaft einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Der Bauer wurde gleichzeitig zum Landschaftsgärtner. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine immer intensivere Nutzung der einst zusammenhängenden Magerwiesenbestände ein. Bis heute sind 90 Prozent der ehemaligen Magerwiesen der Intensivlandwirtschaft gewichen. Den verbliebenen Rest subventioniert heute der Staat, sodass dieser einmalige Landschaftstypus erhalten bleibt.
Das Elltal bei Balzers ist das grösste zusammenhängende Magerwiesengebiet des Landes, bekannt für seine Feuerlilien, die weitum von den steilen, westexponierten Hängen leuchten. Unweit des Elltals beginnt der Rheindamm, der sich von der südlichsten Gemeinde, Balzers, bis zur Nordgrenze bei Ruggell hinzieht. Der flussseitige Rheindamm ist eine „Fundgrube“ bunter und seltener Pflanzen. Auf etwa 22 Kilometer Dammböschung kommen über 500 Pflanzenarten vor, viele davon Gebirgspflanzen, die als Schwemmlinge ins Tal finden. Den Wanderer erfreuen die vielen Orchideen, so etwa die Spitzorchis (Orchis pyramidalis). Dazu kommen Neophyten - vom Menschen eingeschleppte Einwanderer hauptsächlich aus der Neuen Welt. Ackerbegleitkräuter und Ruderalpflanzen, die als Pioniere auf vom Menschen verformtem Boden wachsen, finden hier letzte Refugien. Dasselbe gilt für die xerothermen, wärmeliebenden Arten, die in der Dammböschung auf engem Raum versammelt sind. Der Rheindamm steht unter Schutz. Der Staat besorgt die artspezifische Pflege, damit auch die in diesen empfindlichen Pflanzengesellschaften lebenden, meist seltenen Tierarten gedeihen.
Das Naturschutzgebiet Schwabbrünnen-Äscher ist bekannt für den Bestand des Sumpf-Knabenkrauts (Orchis palustris), einer Orchideenart, die nur auf den seltenen Kalksintern wächst. Eine Wanderung durch dieses kleine Schutzgebiet überrascht durch seine Vielfalt an Sumpfpflanzen wie Natterzunge (Ophioglossum vulgatum) und Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus). Das Ruggeller Riet, die reichhaltigste Naturfläche Liechtensteins, ist ein Flachmoor, entstanden vor etwa 10’000 Jahren durch Verlandung von Hinterwässern des Rheins. Die Charakterpflanze ist die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica). Von europäischer Bedeutung ist der Kammförmige Wurmfarn (Dryopteris cristata). 450 Gefässpflanzenarten, 72 Moos- und 216 Pilzarten kommen im Ruggeller Riet vor. Vom reichen Tierleben zeugen 146 Vogel- und 534 Schmetterlingsarten. Der Besuch dieses Freiland-Naturmuseums ist für jeden naturliebenden Besucher Liechtensteins lohnenswert.
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 Mit seiner reichen Flora
und Fauna lädt das Talgebiet Liechtensteins zu Wanderungen
ein
 Das Elltal bei Balzers
ist bekannt für seine leuchtenden Feuerlilien
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