Der grenzüberschreitende Verkehr bereitet Liechtenstein zunehmend
Sorgen. Kurzfristig setzt das Fürstentum auf die Förderung der bestehenden öffentlichen Verkehrsmittel,
längerfristig soll eine regionale S-Bahn das Verkehrsproblem mildern. Täglich
fahren über 14’000 Zupendler aus der Schweiz, Österreich und dem deutschen Bodensee-Raum zu ihrem Arbeitsplatz
in Liechtenstein. Während sich der starke Pendlerverkehr in den Morgen- und Abendstunden zwischen der
Schweiz und Liechtenstein auf fünf Rheinbrücken verteilt, zwängt sich die Blechlawine aus Vorarlberg
durch das Nadelöhr beim Grenzübergang Tisis-Schaanwald. Liechtensteins Regierung favorisiert zur Behebung
der Verkehrsprobleme die Förderung des öffentlichen Verkehrs und baut als Zukunftsvariante auf die Errichtung
einer regionalen S-Bahn im Rheintal, insbesondere im Grenzraum Schweiz, Liechtenstein, Vorarlberg. Ein
von der Regierung in Auftrag gegebenes «Verkehrsmodell Liechtenstein» geht von der Prognose aus, dass
der grenzüberschreitende Verkehr bis 2010 aufgrund des Arbeitsplatzangebotes im Fürstentum weiter zunehmen
wird. Zwischen 1999 und 2005 nahm der Verkehr aus Richtung Vorarlberg um 38 Prozent zu, was nach Auffassung
der Regierung nach Massnahmen verlangt. Abhilfe soll vor allem eine regionale S-Bahn schaffen, deren
Verwirklichung Verkehrsminister Martin Meyer bis 2011/2012 erhofft. Diese S-Bahn, die gemeinsam mit
den Nachbarn Schweiz und Österreich verwirklicht werden soll, bezeichnet Meyer als Schwerpunkt des Verkehrskonzeptes.
Wenn die öffentlichen Verkehrsmittel über die Grenzen hinweg gut miteinander vernetzt und koordiniert
seien, gibt sich der liechtensteinische Verkehrsminister überzeugt, werden sich die Menschen auch zum
Umsteigen bewegen lassen. Die S-Bahn befindet sich aus liechtensteinischer Sicht auf gutem Wege, nachdem
im vergangenen Jahr eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit für die weitere künftige Entwicklung des
Eisenbahnverkehrs zwischen Liechtenstein, Österreich und der Schweiz nicht nur ausgehandelt, sondern
auch paraphiert werden konnte. Eine Machbarkeitsstudie über die Errichtung einer regionalen S-Bahn liegt
zudem in Teilbereichen bereits vor. Mit der Vision «Mobiles
Liechtenstein 2015» verfolgt die Regierung das Ziel, ein leistungsfähiges Verkehrssystem zu schaffen,
das sowohl die Bedürfnisse der Gesellschaft als auch der Wirtschaft und der Umwelt berücksichtigt. Im
neuen Verkehrssystem sollen der öffentliche Verkehr, der Individualverkehr sowie der Rad- und Fussverkehr
aufgrund der jeweiligen spezifischen Vor- und Nachteile optimal eingesetzt werden. «Grenzüberschreitende
verkehrstechnische Bauten, welche lediglich zu einer Erhöhung des Transitverkehrs führen, werden von
der Regierung abgelehnt», definierte Verkehrsminister Martin Meyer die Haltung der liechtensteinischen
Regierung gegenüber geplanten Strassen- und Tunnelbauten im grenznahen vorarlbergischen Raum. Lösungen
zur Koordination des Pendler- und Arbeitsverkehrs hingegen werde die Regierung unterstützen. Liechtensteins
Verkehrsminister Martin Meyer hatte sich Anfang Mai in Wien mit seinem österreichischen Amtskollegen
Werner Faymann zu einem Gespräch über den grenzüberschreitenden Verkehr getroffen. In einer gemeinsamen
Erklärung unterstrichen die beiden Verkehrsminister, dass aktiv an der Weiterentwicklung des öffentlichen
Schienennetzes und an der noch besseren Anbindung der grenzüberschreitenden Linienbusse gearbeitet werde.
Laut Verkehrsminister Faymann steht Österreich dem Projekt S-Bahn in der Region St. Gallen, Vorarlberg
und Liechtenstein positiv gegenüber. «Die S-Bahn ist einer unserer Hauptträger im Verkehrskonzept für
Liechtenstein», erklärte Martin Meyer und meinte mit Blick in die Zukunft: «Aufgrund der sehr dynamischen
wirtschaftlichen Entwicklung Liechtensteins wird uns das Thema Verkehr in Zukunft noch mehr betreffen.
Nur ein sehr gutes Konzept mit ausgezeichneten grenzüberschreitenden Anbindungen wird den gewünschten
Umsteigeeffekt auf den öffentlichen Verkehr bringen.» Kurzfristig
hat die Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden Verkehr während der Weltgymnaestrada in Vorarlberg im
Juli 2007 eine Bewährungsprobe zu bestehen. Liechtenstein ist als offizielles Gastland in das öffentliche
Verkehrssystem der grossen Sportveranstaltung mit über 20’000 Athleten integriert. Als
weiterer Probelauf für die künftige grenzüberschreitende Verkehrskoordination wird die Euro 08 dienen.
Die Veranstalter der Fussball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz gehen davon aus, dass
Tausende Fussballfans zwischen den Fussballstadien in beiden Austragungsländern hin- und herpendeln
– und dabei teilweise Liechtenstein als Korridor benützen werden. Neben einer Zunahme des Individualverkehrs
mit Personenwagen und Autobussen rechnen die Verkehrsexperten mit einer intensiven Nutzung der grenzüberschreitenden
Zugsverbindungen. Erklärte Absicht der Veranstalter ist es, einen möglichst hohen Anteil der Fussballfans
mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren. |